Abschied von Altbundespräsident Roman Herzog

Sarg Roman Herzogs Bild vergrößern (© www.picture-alliance.com)

Am 24.01.2017 haben Weggefährten aus Politik und Gesellschaft bei einem Staatsakt im Berliner Dom Abschied von Altbundespräsident Roman Herzog genommen. Herzog war am 10. Januar im Alter von 82 Jahren verstorben. Im Jahr 1994 trat Roman Herzog als siebter Bundespräsident die Nachfolge von Richard von Weizsäcker an und blieb bis 1999 im Amt. Davor war er Präsident des Bundesverfassungsgerichts.

In ihrer Kondolenzbotschaft vom 10.01.2017 würdigte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Amtsführung von Roman Herzog: „Roman Herzog hat dieses höchste Staatsamt in seinem eigenen unnachahmlichen Stil ausgefüllt. Er pflegte das offene Wort, war unprätentiös, humorvoll und durchaus selbstironisch. In klarer Sprache drückte er immer wieder seine Überzeugung aus, dass das Land sich stetig weiter entwickeln und erneuern müsse. […] Auch europapolitisch sowie in der Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit wusste Roman Herzog wichtige Signale zu setzen - durch richtige Worte ebenso wie durch Schweigen dort, wo es keine Worte gab wie im früheren Vernichtungslager Auschwitz.“

Finden Sie hier die Mitteilung der Bundeskanzlerin:
https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Pressemitteilungen/BPA/2017/01/2017-01-10-erklaerung-merkel-roman-herzog.html

Und hier weitere Informationen:
https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2017/01/2017-01-10-roman-herzog.html

In seiner Rede beim Trauerstaatsakt sagte Bundespräsident Joachim Gauck über Roman Herzog: Ihm „lag besonders daran, uns allen Mut zu machen, neue Wege zu gehen. Er warb unermüdlich für Innovationen und Reformen, wo er sie für notwendig hielt. Er stieß in seinen Reden immer wieder Türen für neues Denken auf. Er konnte dabei sehr deutlich werden und ungewöhnlich klare Worte finden.“ Herzog warnte „vor einem Phänomen, das sich heute noch viel deutlicher zeigt als man damals ahnen konnte: "Wir werden gelähmt durch festgefügte Meinungsmilieus, die sich gegeneinander abschotten". Und gegen eine "Kultur der felsenfesten Meinungen und der Besserwisserei" forderte er den "Mut echte Fragen zu stellen und Geduld zu haben, wenn es nicht sofort eine Antwort gibt. Wo keine Fragen gestellt werden, wird nichts wirklich Neues entstehen, da erstarren die gesellschaftlichen Verhältnisse".

Finden Sie hier die gesamte Rede des Bundespräsidenten: http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2017/01/170124-Trauerstaatsakt-Herzog.html?nn=1891550

Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte zum Tode vom ehemaligen Bundespräsidenten am 10.01.2017: Roman Herzog hat unserem Land viele Jahrzehnte an herausragenden Stellen und in ganz vielfältiger Weise gedient. Sein öffentliches und politisches Leben und sein juristisches und wissenschaftliches Wirken waren von Beginn an untrennbar miteinander verknüpft. […] Auch als Präsident des Bundesverfassungsgerichts stand Roman Herzog immer glaubwürdig für Grundrechte, den Rechtsstaat und Mitmenschlichkeit. […] Ich habe Roman Herzog als einen geradlinigen, ehrlichen und klugen Menschen erlebt, der sich nicht scheute, auch harte Wahrheiten anzusprechen, aber auch seinen tiefsinnigen Humor niemals verlor.“

Finden Sie hier die Pressemitteilung aus dem Auswärtigen Amt:
http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Meldungen/2017/170110-Roman-Herzog.html

Auch der Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk, sprach beim Trauerstaatsakt. Er erinnerte daran, dass Roman Herzog Vorsitzender des ersten Europäischen Konvents war, der in den Jahren 1999-2000 die Charta der Grundrechte der Europäischen Union ausgearbeitet hat. „Mit der Charta hat Präsident Herzog uns ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen nationalen Egoismus und Populismus an die Hand gegeben. Bis zuletzt äußerte er sich zu den Grundsatzfragen der Integration. Und seine Worte hatten stets Bedeutung und wurden aufmerksam wahrgenommen“.
Mit Bezug auf Herzogs berühmte „Ruck“-Rede aus dem Jahr 1997 sagte Tusk: „Sie lässt sich in weiten Teilen auch auf die gegenwärtige Lage der Europäischen Union übertragen. Ähnlich wie Präsident Herzog 1997 in Berlin sagen auch wir heute in Brüssel, dass es uns nicht an Ideen fehlt, sondern an der Entschlossenheit, sie umzusetzen. Ähnlich wie er streben wir nach mehr Vertrauen in unsere Fähigkeiten sowie nach Anerkennung unserer Errungenschaften. […] Heute sollten wir dem Präsidenten versprechen, dass wir uns seine Botschaft zu Herzen nehmen und die Werkzeuge nutzen werden, die er für Europa mit geschaffen hat.[…] Ja, Herr Präsident, "auch durch Europa muss ein Ruck gehen".

Finden Sie hier die komplette Rede von Donald Tusk: http://www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2017/01/24-tusk-speech-funeral-herzog-berlin/?utm_source=dsms-auto&utm_medium=email&utm_campaign=Rede+des+Pr%C3%A4sidenten+Tusk+beim+Staatsbegr%C3%A4bnis+des+ehemaligen+Bundespr%C3%A4sidenten+Roman+Herzog