Bundespräsident Gauck in Maastricht: „Ein Schock kann heilsam sein.“

German President Gauck visits the Netherlands Bild vergrößern German Federal President Joachim Gauck holds a speech after being awarded an honorary doctorate at the Theater aan het Vrijthof in Maastricht, Netherlands, 7 February 2017. Photo: Rainer Jensen/dpa | Verwendung weltweit (© picture alliance / Rainer Jensen)

In einer Rede vor Studierenden der Universität Maastricht anlässlich des 25. Jahrestages des Maastrichter Vertrages forderte Bundespräsident Joachim Gauck mehr Begeisterung und verstärktes Engagement für das Projekt eines geeinten Europas. In der Universitätsstadt Maastricht sei der Geist des europäischen Einigungswerks zu spüren, doch der wachsenden Entfremdung zwischen Politik und Bevölkerung müsse entgegengewirkt und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Europäische Union wieder gestärkt werden.

Maastricht zeige, dass Träume als Triebfedern für historische Veränderungen dienen könnten, doch müssten Visionen auch politisch umgesetzt werden. Der Vertrag von Maastricht, der vor 25 Jahren die Europäische Union als politische Organisation begründete und die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten auf die Bereiche Außen- und Sicherheitspolitik sowie Justiz und Inneres ausweitete,  sei mehr als ein Dokument, er sei  „eine Chiffre für ein in Frieden und Freiheit geeintes Europa“ und ein Europa gemeinsamer aufklärerischer Werte. Gleichzeitig stehe er jedoch auch für ein unvollendetes Projekt, das Rückschläge ertragen müsse. Die Feierlichkeiten zum Jahrestag des Vertrages stünden heute im Schatten gewaltiger Herausforderungen, mit denen die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten konfrontiert seien. Unter anderem würden die Finanz- und Wirtschaftskrise, Kriege und Konflikte in der Nachbarschaft und der bevorstehende Brexit die EU durch Zweifel erschüttern. Schocks könnten aber heilsam sein. Der Druck, der durch die neuen Umstände entstanden sei, „aktiviere“ die Europäische Union, die angesichts neuer nationalistischer und autoritärer Verführungen in einigen Ländern umso leidenschaftlicher Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte verteidigen werde. Dazu müssten die Mitgliedstaaten, insbesondere auch Deutschland, selbstbewusster und selbstständiger werden und Verantwortung für die Stabilisierung der internationalen Ordnung übernehmen. Europäische Werte dürften auf keinen Fall preisgegeben werden. An die Studierenden appellierte er: „Mischen Sie sich ein in die Politik. Geben Sie Ihre Zukunft nicht aus der Hand. Engagieren Sie sich gerade jetzt für die Idee eines geeinten Europas.“ Die Europäische Union sei es wert, dass die junge Generation ihr Schicksal zur ihrer Sache mache.

Der Besuch bei der Universität Maastricht, die ihm auf der Festveranstaltung die Ehrendoktorwürde verlieh, war Teil einer zweitägigen Reise des Bundespräsidenten in die Niederlande, während der er auch das niederländische Königspaar und die Maastrichter Bürgermeisterin Annemarie Penn-te Strake traf.

Die komplette Rede finden Sie hier unter:

http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2017/02/170207-Niederlande-Ehrendoktorw%C3%BCrde.html

German President Gauck visits the Netherlands Bild vergrößern German Federal President Joachim Gauck signs a guest book in the presence of the commissary of the King for the province of Limburg, Theodorus Bovens, as well as the mayor of the city of Maastricht, Annemarie Penn-te Strake during a celebration of 25 years of Maastricht treaties at the film theatre Lumiere in Maastricht, Netherlands, 7 February 2017. Photo: Rainer Jensen/dpa | Verwendung weltweit (© picture alliance / Rainer Jensen)